Neuigkeiten von der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland

News der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland
  1. EKD „gezählt 2017“© Cover: EKD Bonn/Hannover, 25.07.2017/APD   Nur noch 58,3 Prozent der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland sind Mitglieder einer Kirche oder christlichen Gemeinschaft. Das sind bei 82,176 Millionen Einwohnern 47,893 Millionen Christen. Wie aus der Veröffentlichung „Zahlen und Fakten zum kirchlichen Leben 2017“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hervorgeht, ist die Tendenz seit Jahren rückläufig. Vor zehn Jahren (2006) bekannten sich noch 64,3 Prozent der Bevölkerung oder 53,026 Millionen Menschen zum Christentum. Die meisten Gläubigen (23,582 Millionen) gehörten am 31.12.2016 zur römisch-katholischen Kirche, gefolgt von der EKD mit 21,922 Millionen. Die Mitglieds- und Gastkirchen der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) verzeichnen 292.000 Angehörige, 1,537 Millionen Menschen bekennen sich zu den orthodoxen Kirchen, weitere christliche Kirchen haben 67.000 und die christlichen Gemeinschaften 492.000 Mitglieder. Kaum noch Interesse am evangelischen Sonntagsgottesdienst Zum Stichtag 31.12.2016 gehörten insgesamt 21.922.187 Menschen einer der 20 evangelischen Gliedkirchen der EKD in Deutschland an. Das sind rund 350.000 Mitglieder weniger als 2015. Die Zahl der Austritte aus der evangelischen Kirche ging im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr um 20.000 auf 190.000 zurück. Erstmals seit drei Jahren traten im Jahr 2016 weniger Menschen aus der evangelischen Kirche aus als Mitglieder im selben Zeitraum durch Taufe (180.000) oder Aufnahme (25.000) hinzukamen. Bei letzteren wechselten rund 10.000 aus anderen christlichen Kirchen in eine Landeskirche. Die gegenüber dem Vorjahr rückläufige Mitgliederzahl sei wesentlich auf den demographischen Wandel in Deutschland zurückzuführen, so die EKD. Im Jahr 2016 verstarben rund 340.000 Angehörige der evangelischen Kirche. Den Sonntagsgottesdienst besuchen nur noch 3,2 Prozent der Kirchenmitglieder regelmäßig. Am Karfreitag sind es 4,1 Prozent, am Erntedankfest 7,3 Prozent und an Heiligabend 36,8 Prozent. Die Broschüre „Evangelische Kirche in Deutschland – Zahlen und Fakten zum kirchlichen Leben“, Ausgabe 2017, ist im Internet zu finden unter: Auch weniger Katholiken Auch die römisch-katholische Kirche erlitt im letzten Jahr einen Mitgliederverlust von rund 180.000 Gläubigen. Die 27 deutschen Diözesen und die Deutsche Bischofskonferenz verzeichnen in ihrer aktuellen Kirchenstatistik für das Jahr 2016 jetzt 23.581.549 Kirchenmitglieder. Wie bereits 2015 ist auch in 2016 die Zahl der Kirchenaustritte zurückgegangen. Sie liegt bei 162.093 Personen (2015: 181.925). Den Austritten und 243.323 Bestattungen standen im letzten Jahr 171.531 Taufen, 2.574 Eintritte (wovon 2.197 Protestanten waren) und 6.461 Wiederaufnahmen in die katholische Kirche gegenüber. Nur noch 10,2 Prozent der Katholiken besuchen regelmäßig den Sonntagsgottesdienst. Die Broschüre „Katholische Kirche in Deutschland – Zahlen und Fakten 2015/16“ kann im Internet heruntergeladen werden unter: _____________________________________________________________________________ Der Text kann kostenlos genutzt werden. Veröffentlichung nur mit eindeutiger Quellenangabe „APD“ gestattet!
  2. Frau in Puntland, Somalia© Foto: ADRA Somalia Zürich/Schweiz, 24.07.2017/APD   „Somalia erlebt zurzeit die schlimmste Dürre seit 42 Jahren“, schreibt die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Schweiz in ihrem Newsletter. 6,2 Millionen Menschen in Somalia hätten zu wenig zu essen und zu trinken. Gemeinsam mit der schweizerischen Spendenorganisation Glückskette will das Hilfswerk 600 Haushalte mit rund 3.600 Personen bis Ende 2017 mit Gutscheinen sowie Geld versorgen. Die Gutscheine könnten die Familien zum Eintausch für Wasser verwenden. Monatlich zahle ADRA Somalia, die Partnerorganisation vor Ort, ein Guthaben auf ein Mobiltelefon der Familie ein. Damit könne die Familie Lebensmittel sowie weitere Utensilien kaufen, die sie dringend benötigten. Die Überlebenshilfe wird in den Regionen Nugal und Sool in Puntland, dem autonomen Teilstaat im Nordosten Somalias, durchgeführt. Am 28. Februar hat der Präsident der Bundesrepublik Somalia, Mohamed Abdullahi Mohamed, den Notstand ausgerufen und die internationale Gemeinschaft gebeten, dem Elend abzuhelfen. Chronische Armut, Aufstände, Sicherheitsprobleme und vertriebene Familien würden zur schlimmen Situation im Land beitragen, schreibt ADRA. Der saisonale Regen am Jahresanfang sei komplett ausgefallen und damit die Ernte. Durch die herrschende Dürre sei das Vieh verendet, welches das Kapital der Bauern sei. Zudem würden viele Familien vom Land in die Städte oder deren Ballungsräume ziehen. Dort erhofften sie sich Hilfe von Verwandten oder der internationalen Gemeinschaft. Mit den Gutscheinen und dem Guthaben auf den Mobiltelefonen sollen die begünstigten Familien 50 bis 70 Prozent der monatlichen Ausgaben abdecken können, schreibt ADRA. Bei der Registrierung für die Projektteilnahme müsse die Nummer des Mobiltelefons angeben werden, damit monatlich das Guthaben auf einfache Weise überwiesen werden könne, sagte Johannes Baumgartner, Verantwortlicher bei ADRA Schweiz für Programme in Afrika. Über diese Telefonnummer könne das Projektteam auch erfahren, ob das Geld angekommen und ob alles in Ordnung sei. ADRA arbeite mit den lokalen Behörden und den Dorfbewohnern zusammen. Diese würden Familien vorschlagen, welche besonders arm seien und von der Hilfe profitieren sollten. Durch die Koordination mit anderen Hilfswerken werde sichergestellt, dass Familien nicht doppelt profitierten. Die Glückskette finanziert 80 Prozent der Kosten (242.000 Franken / 219.000 Euro) für das Projekt mit sechs Monaten Laufzeit und ADRA Schweiz 48.000 Franken (43.900 Euro). ADRA Schweiz ADRA Schweiz wurde 1987 als Hilfswerk der evangelischen Freikirche der Siebtenten-Tags-Adventisten in der Schweiz gegründet. ADRA Schweiz gehört zu einem Netzwerk von rund 130 regionalen und nationalen ADRA Landesbüros und gewährt Hilfe unabhängig von Rasse, ethnischer Herkunft, des Geschlechtes, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität. _____________________________________________________________________________ Der Text kann kostenlos genutzt werden. Veröffentlichung nur mit eindeutiger Quellenangabe „APD“ gestattet!
  3. Prof. Heiner Bielefeldt (links) und Dr. Harald Mueller© Foto: Gerald Förster/Hope Channel Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt, 23.07.2017/APD   Am 25. Juli strahlt der adventistische Fernsehsender Hope Channel ein Interview mit Dr. Heiner Bielefeldt zur Rolle der Religionsfreiheit aus. Bielefeldt ist Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg und Inhaber des Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik. Dr. Harald Mueller, Moderator der Sendung, befragt ihn zur aktuellen Lage der Religionsfreiheit, dem Verhältnis von Religion und Staat, den Antidiskriminierungs-richtlinien der EU, zu Ruhetagsregelungen für Minderheitskonfessionen sowie zu seinen Erfahrungen als UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit von 2010 bis 2016. Drei Bereiche hätten ihn als UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit vorwiegend beschäftigt, so Professor Bielefeldt: Er habe sich für Einzelfälle engagiert und diese den entsprechenden Staaten diplomatisch vorgetragen, in der Hoffnung, dass sich etwas bewege. Im Weiteren habe er mit seinem Team Inspektionsreisen in Dörfer gemacht. Die Besuche vor Ort seien „energisierende und bereichernde Erfahrungen mit Menschen gewesen, die sich nicht kaputtmachen lassen“. Drittens sei er in der UN-Generalversammlung bzw. im Menschenrechtsrat (Genf) für Religionsfreiheit eingestanden und habe darüber mit den Vertretern der Staaten debattiert. Er habe ermutigende Erfahrungen in Sierra Leone gemacht, wo die Religionsgemeinschaften nach dem Bürgerkrieg gemeinsam das Land aufbauten und Friedensarbeit leisteten. „Hass hat nichts Ewiges“ oder den Status eines Naturgesetzes, sondern sei immer von Menschen gemacht, so Bielefeldt. In Vietnam habe er hingegen so erschreckende Erfahrungen mit Verfolgung gemacht, dass er eine der Missionen vor Ort aus Sicherheitsgründen für seine Interviewpartner habe abbrechen müssen. Zur Lage der Religionsfreiheit: Religiös unterbauter Terrorismus spielt größere Rolle Die Probleme bezüglich der Religionsfreiheit seien von Land zu Land unterschiedlich, dennoch spiele der religiös unterbaute Terrorismus heute eine größere Rolle als vor einigen Jahren. Es gäbe unterschiedliche Formen der religiösen Repression. Im Nahen Osten seien es meist religiöse Wahrheits- und Reinheitsansprüche sowie göttliche Gesetze, in deren Namen sich die staatliche Unterdrückung gegen Minderheiten durchzusetzen versuche. Ein anderes Unterdrückungsmuster benutze Religion als Bestandteil eines aggressiven Nationalismus. Es gehe dabei nicht um Wahrheit und Irrtum. Als Beispiel führte Bielefeldt die religiös untermauerte Fremdenfeindlichkeit in Russland an. Putin habe die orthodoxe Tradition als starkes Narrativ für die nationale Identität entdeckt, für eine kompakte Identität: Wir gegen die anderen, bzw. gegen alles, was vom Ausland kommt. Die Zeugen Jehovas seien vom obersten Gericht verboten und aufgelöst worden. In Indien sei es ähnlich. Der Hindu-Nationalismus richte sich gegen alle Religionen, die ihren Ursprung nicht auf indischem Boden hätten: Christen und Muslime. In autoritären Polizeistaaten wie Vietnam und China sei die Freiheit für Einparteiensysteme beunruhigend, wenn sich die Leute zum Beispiel selbst versammeln und die Dinge selbst in die Hand nehmen würden. Bei diesem Unterdrückungsmuster gehe es um Kontrollobsession und nicht um Religion oder Wahrheit. Nicht in unserem Namen Es gebe überall religiöse Gruppen, die nicht bei der Instrumentalisierung ihrer Religion mitmachten: Buddhistische Mönche, die sich gegen den Nationalismus der Regierung in Myanmar oder Sri Lanka wenden würden oder Hinduisten, die es falsch finden, dass im Namen des Hinduismus nationale Homogenität forciert werden solle, wo der Hinduismus doch so vielfältig sei. Es wäre auch seitens der Muslime wünschenswert, so Bielefeldt, wenn mehr Muslime sich von Terrorakten distanzieren und sagen würden, „nicht in unserem Namen!“ „Trennung von Religion und Staat“ ersetzen mit „Abstand von Religion und Staat“ Auf die Frage, ob es staatliche Strukturen gäbe, die förderlich oder hinderlich für Religionsfreiheit seien, antwortete Bielefeldt, dass die Trennung von Religion und Staat wichtig sei. Trennung sei aber nur die negative Seite einer eigentlich positiven Investition: Diese bestehe darin, dass der Staat dafür einstehen solle, dass es einen Freiraum gäbe, wo religiöse Vielfalt angstfrei gelebt werden könne. Um dies zu erreichen dürfe der Staat aber nicht auf einer Seite stehen und sagen: Wir sind eine christliche, hinduistische oder muslimische Nation. „Der Staat kann nicht der Anwalt und Garant der Freiheit aller sein, wenn er auf einer Seite steht“, sagte der Professor. Es wäre besser von „Abstand von Religion und Staat“ zu sprechen als von Trennung. Abstandnahme sei etwas Positives, weil es Raum schaffe. Trennung klinge hingegen negativ. Es schwinge bei Trennung mit, dass die Religion aus der Politik und dem öffentlichen Leben herauszuhalten sei und sie als reine Privatsache zu behandeln, was falsch sei, so Bielefeldt. Der Laizismus französischer Prägung werde dem Anliegen der Religionsfreiheit nicht umfassend gerecht, weil die Religionsfreiheit auch die öffentliche Manifestation von Religion schütze. Als Beispiele führte der Professor Kleidung und Kirchenglocken an. Deutschland: Hinkende Trennung von Religion und Staat Laut Bielefeldt hat das deutsche Modell gegenüber dem französischen den Vorzug, dass es die Rolle der Religion in der Öffentlichkeit anerkennt und eine religionsfreiheitsfreundliche Rechtsprechung kennt. Das deutsche Modell sollte aber der Wirklichkeit angepasst werden, forderte der Professor, da es mehr Muslime gibt und auch die Freikirchen sowie die Gruppe der Konfessionslosen gewachsen sind. Ruhetagsregelungen für Minderheitskonfessionen wie Adventisten „Das Ausmaß an Ignoranz ist skandalös“, sagte Heiner Bielefeldt, als ihn der Moderator auf die Probleme adventistischer Kirchenmitglieder angesprochen hatte, die oft wenig Entgegenkommen erfahren würden, wenn sie wegen ihres Ruhetages am Samstag (Sabbat) an der Universität keine Prüfungen schreiben könnten. Bielefeldt ist der Auffassung, dass die staatlichen Behörden die Aufgabe haben, Minderheiten beim Ruhetag entgegen zu kommen. Faktisch orientierten sich die Behörden aber am Mainstream, obwohl Religionsfreiheit Gleichberechtigung bedeute. Man solle nicht eine bürokratische Variante von Gleichheit durchziehen, aus Angst, ja keine Präzedenzfälle zu schaffen. Die Bereitschaft des Staates den Minderheiten entgegen zu kommen sei „in Deutschland unterentwickelt“, so der Professor. In den USA und vor allem in Kanada kenne man das Prinzip der „reasonable accommodation“. Das sei zwar schwer zu übersetzen, meine aber, dass dem Machbarem Raum zu geben und Raum zu schaffen sei [bzw. angemessene Vorkehrungen zu treffen seien]. Diese Einstellung, für religiöse Minderheiten und Einzelfälle eine Lösung suchen zu wollen, sei ein Gebot der Religionsfreiheit. Meinungsäußerungsfreiheit und Antidiskriminierungsrichtlinien der EU Auf die Frage, wie er die Angst konservativer Christen einschätze, die aufgrund der Antidiskriminierungsrichtlinien der EU befürchteten, aus religiöser Sicht Abtreibung oder Homosexualität nicht mehr kritisieren zu dürfen, hielt Bielefeldt fest, dass er diese Ängste nicht teile, da die Meinungsäußerungsfreiheit in der Verfassung ein hohes Gut sei. Man müsse dann aber auch damit leben, dass man Stirnrunzeln ernte oder sich entsprechende Kommentare anhören müsse. Das Interview zur Religionsfreiheit wird im Rahmen der Sendung „Nachgefragt“ am 25. Juli von 08:15 bis 08:45 und von 20:15 bis 20:45 Uhr auf dem Hope Channel ausgestrahlt und kann über den Satelliten ASTRA und über Internet gesehen werden. Hinweise zur Sendung und Wiederholungen auf Hope Channel: Detaillierte Hinweise zum Empfang von Hope Channel: _____________________________________________________________________________ Der Text kann kostenlos genutzt werden. Veröffentlichung nur mit eindeutiger Quellenangabe „APD“ gestattet!
  4. Chor „Aeolians“ beim Llangollen International Musical Eisteddfod in Wales© Foto: Michael Marshall Silver Spring, Maryland/USA, 21.07.2017/APD   Der Chor der adventistischen Oakwood Universität (Huntsville, Alabama/USA) gewann Anfang Juli auf dem Musikfestival Llangollen International Musical Eisteddfod in Wales/Großbritannien den Titel „Choir of the World“ in der Kategorie „Choral“. Dies berichtete die Kommunikationsabteilung der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Nordamerika (NAD News). „Auf dem International Welsh Eisteddfod in Wales zum ‚Choir of the World‘ ernannt zu werden ist eine einzigartige Ehre, welche die Spitzenleistung unserer Universität wiedergibt“, so Leslie N. Pollard, Präsident der Oakwood Universität. Wie NAD News berichtete, hatte der Chor der „Aeolians“ während seines Aufenthaltes auf den Britischen Inseln weitere Auftritte in London, Birmingham und Manchester. Das Llangollen International Welsh Eisteddfod Festival Ursprünglich wurde das Musikfestival in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen. Laut eigenen Angaben treffen sich jedes Jahr bis zu 50.000 Besucher in der kleinen Stadt Eisteddfod (Wales) um mit rund 4.000 Darbietenden „in einer einzigartigen Kombination aus Wettbewerb, Darbietung, internationalem Frieden und Freundschaft zu singen und zu tanzen“. Beim Wettbewerb wird der „Choir of the World“ bestimmt. Die Gewinner des Titels erhalten eine Pavarotti-Trophäe und ein Preisgeld von 3.000 Euro. _____________________________________________________________________________ Der Text kann kostenlos genutzt werden. Veröffentlichung nur mit eindeutiger Quellenangabe „APD“ gestattet!
  5. Kim-Il-sung-Platz, Pjöngjang/Nordkorea© Foto: Herbert Bodenmann/APD Frankfurt am Main, 20.07.2017/IGFM/APD   „So etwas wie Untergrundgemeinden gibt es in Nordkorea nicht“ und könne es auch nicht geben, sagte der 2005 aus Nordkorea geflüchtete ehemalige Hauptmann Joo Il Kim in einem Pressegespräch der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt. Joo Il Kim sei nach seiner Flucht Christ und Menschenrechtsaktivist geworden, teilte IGFM mit. Da in der Hauptstadt Pjöngjang bis zum Zweiten Weltkrieg 13 Prozent der Bevölkerung Christen gewesen sind, wurde es als das „Jerusalem des Ostens“ bezeichnet. Kim ist laut IGFM überzeugt, dass das früher im Norden blühende Christentum nicht völlig erloschen sei. Laut dem Überläufer gebe es viele Nordkoreaner, die nach ihrer Flucht in China mit dem christlichen Glauben in Kontakt kämen. Einige wenige davon würden schließlich Christen werden. Einzelne dieser Christen kehrten heimlich nach Nordkorea zu ihren Familien zurück. Es sei aber durch die Verhältnisse in Nordkorea sogar innerhalb des engsten Familienkreises extrem schwer, über Religion zu sprechen. Keine Vorstellung von Religion und davon, was Gott sein sollte Selbst Kleinstgruppen von nur zwei Christen, die man nicht als „Gemeinden“ bezeichnen könne, hält Kim für außerordentlich unwahrscheinlich, so IGFM. Allgegenwärtige Angst und Misstrauen verhinderten einen echten Austausch zwischen Menschen. Vor allem aber hätten Nordkoreaner überhaupt keine Vorstellung von Religion und davon, was Gott sein sollte. Gegenüber IGFM erklärte Kim: „Nordkoreaner werden vom Kleinstkindalter an pausenlos vom Regime indoktriniert. Die meisten haben keinerlei Zugang zu anderen Informationen als der Propaganda des Regimes. Gespräche über regimefeindliche Themen wie Religion können nur zwischen nahen Angehörigen geführt werden.“ Wenn dort jemand über Jesus spreche, würden sich die Angehörigen echte Sorgen machen, dass er den Verstand verloren habe und würden ärztliche „Hilfe“ suchen – mit fatalen Folgen. Missionarische Arbeit innerhalb Nordkoreas Nach Informationen von Kim gibt es innerhalb Nordkoreas missionarische Arbeit. Sie sei aber extrem schwierig und gefährlich. Diejenigen, die den Glauben an Christus verbreiten würden, hüteten sich davor, jene Menschen, mit denen sie gesprochen haben, miteinander in Kontakt zu bringen. Das sei für „alle Beteiligten viel zu gefährlich“. Die Arbeit werde zusätzlich dadurch erschwert, dass Nordkoreaner, die sich für das Christentum interessierten, „unglaublich viele Fragen“ hätten. Selbst in China, wo die missionarischen Voraussetzungen ungleich viel einfacher seien, sei diese Arbeit unter geflüchteten Nordkoreanern problematisch. Nordkoreaner können ohne Erklärungen mit biblischen Texten nichts anfangen Nach Aussage von Kim würden Koreaner auch Bibeln ins Land schmuggeln. Sie könnten sie aber nicht direkt verteilen, sondern nur an passenden Stellen auslegen. „Diese Leute hoffen, dass allein das Lesen der Bibel einen Menschen verändern kann. Sie haben keine Vorstellung davon, was das Regime aus den Menschen gemacht hat.“ Nordkoreaner könnten ohne Erklärungen mit biblischen Texten überhaupt nichts anfangen. „Das sind reine Wunschträume“, so Kim. Christen in Nordkorea hätten auch nach langer Zeit noch „Fragen über Fragen“, aber niemanden, mit dem sie darüber sprechen könnten. „Angst und Indoktrination halten die Nordkoreaner gefangen. Auch ich selbst habe erst in Grossbritannien langsam erkannt, dass wir de facto alle Opfer von Gehirnwäsche waren“, sagte Kim. _____________________________________________________________________________ Der Text kann kostenlos genutzt werden. Veröffentlichung nur mit eindeutiger Quellenangabe „APD“ gestattet!

Freikirchlicher Politikbeauftragter NRW